Gespräch
Verfasst von michaelbolz am Juni 21, 2009
Der Typ am Infostand rührt hockend in einem Eimer Leim, dicke Klumpen am Pinsel, die aussehen wie eitrige Taubeneier, schickes Stirnband, Zwölftagebart, aus der Sporthose baumelt unten die Eichel heraus. S. will sich´s nicht ausreden lassen mitreden zu wollen. Nein, sagt der S., nein, ich war ja bei den Jungen Grünen. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Vielleicht, dass er da am Establishment gescheitert ist und noch nicht drüber weg kommt. Vielleicht, dass ihm davon ein Schwafelklumpen übrig geblieben ist im Kopf, der sich wütend an der Hirnrinde reibt und ihn verrückt macht.
Jedenfalls krebst dieser Typ am Infostand in seinem Eimer und lässt den Pimmel atmen und rührt und ignoriert den S. jetzt schon eine geschlagene Viertelstunde und der S. will immer noch über die Aktion reden. Die Augen bläht´s ihm aus der Stirn und den Stand hackt er in Strich´ und Fäden mit seinen verachteten politischen Gedanken und der Wind fährt im durchs blonde Gespinst und eine Taube schwimmt in der Wiese und pickt und pickt und manchmal hüpft sie. S. glaubt ans Gute. S. glaubt, wenn er nur lang genug da wartet…, S. glaubt dem Peter, wenn der sagt, seine Mutter wär ´ne geile Drecksau. Ein Mann wirft einem dressierten Hund ein Stöckchen. Da wirft der sich der S. auch dramatisch herum, dann weint er, aber heimlich. Ich hab mich anfangs gewundert, wie er diesen madigen Ton um die Augen so hinkriegt, so ganz ohne Schminke.
Der Leim wird nicht besser.
Der Typ popelt im Leim.
Seine Eichel vertrocknet im Wind.
julielasourire sagte
Hallo Michael,
sehr gut geschrieben, ich lach mich echt schlapp. Ich danke dir, dass du mir soviel „Lachen“ bescherst. Wie geht die Geschichte weiter, der Hauptdarsteller macht neugierig in seiner weiten kurzen Sporthose. Es ist auch wieder so real, weil manche Männer das anscheinend nicht bemerken…..
Liebe Grüsse
Julie
michaelbolz sagte
Liebe Julie,
ja, so gesehen, so geschehen, ein Gespräch fand darüber hinaus nicht statt – wie es wohl für politische Auseinandersetzungen üblich zu sein scheint.
liebe Grüße, Michael