Die humanistische Intervention

Denkwürdiges in Sprache von Michael Bolz

Besetzt

Verfasst von michaelbolz am Juni 24, 2009

Oder?

Der Anhalter flattert in den Beifahrersitz. Seine Haut ist abgehetzt, abgeschmirgelt wie Knochen von Sand und saftlos. Erst wollte ich nicht halten. Seine verwetzte Ledertasche umklammert ihn vor dem Bauch als wäre er tot, wehrlos. Sein Blick ist ein Mückenschwarm. Hätte ich bloß nicht. Jetzt ist er drin. Auf der Fahrt kommen ihm Bedenken, ich kann ihn kaum zurückhalten, auf der Autobahn will er raus. Seinen Namen verrät er nicht.

Zukunftsgleise

Oder?

Israels Geburtsort und Heimat ist die Wanderung, selbst sein Gott wurde auf der Wanderung geboren. Jetzt steht Israel wie ein tödlicher Eichenholzschrank im fremden Wohnzimmer und wehrt sich mit Selbstschussanlagen gegen die Versuche der Bewohner, das aufdringliche Monstrum wiederum mit Gewalt auf die Straße zu stellen.

Draufgepapt: Zu verschenken!

Oder?

Ich konnte nicht mehr, konnte einfach nicht. Die Frau kotzt falsche Tränen. Den Dolch hat sie ihm in die Blase gerammt. Erst ins Herz. Der tote Mann mit dem scharfen Schwanz treibt in einer Suppe aus Scheiße und Blut. Er lächelt. Sie fühlt sich frei.

Oder?

Er kommt vom Sport, geduscht hat er da. Fühlt sich noch dreckig. Im Spiegel nur ein Ding. Dreck. Stellt die Tasche ab, im Flur. Schnell an den Computer, schnell einen Kaffee. Wer hat geschrieben? Seine Hände zittern. Das virtuelle Postfach ist trocken, nur einer, der ihm egal ist. Seine Hände zittern, er fummelt an seinem Glied. Er ruft. Ich lebe! Ich lebe! Dem Netz ist das gleich, der Monitor schläft wohl. Da sitzt er. Einer auf seinem Platz. Nicht er.

Oder?

Besetzt!

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