…„von grôzer arebeit“, spricht der Erzähler des Nibelungenliedes, will er berichten und sieht man nach, was im Mittelalter unter arebeit zu verstehen ist, dann finden sich Entsprechungen wie Mühsal, Not und Anstrengung. Der Vergleich erscheint vielleicht im ersten Augenblick gewagt, wenn er aber überhaupt gewagt sein kann. Ja, wir müssen, ordentlich, die Verhältnisse der Zeit der Worte beachten und sehen, was war, als diese arebeit eine Not war und Mühsal und doch fällt sofort auf, dass die postmoderne Bedeutung, als gäbe es eine Zeit dieser Worte nicht, im gleichen Sinn gegenwärtig existiert. Warum? Und warum zerbrechen daneben wie Tonscherben die renommierten und Glück versprechenden Wortpedanten von Wohlstand und Wachstum und Fortschritt?
Wir leben und erleben tagtäglich die selbstzerstörerische Brutalität einer Leistungsgesellschaft, die unter den ungesündesten Bedingungen ihrer eigenen Vorstellung und Praxis schmerzlich leidet und fragt sich, was an diesem Vergleich denn bitte hoffentlich doch falsch sein könnte, damit man das Unbehagen in der Kultur, Freuds fliegendes Wort ist spürbar in jeder Facette des Alltags, widerlegen könnte; damit der eigene Zynismus nicht die nackte Wiedergabe der Lebenswirklichkeit bleibt und ist, sondern eine entwickelte, schräge Charaktereigenschaft, die man sich allseits noch gut und gern vergeben könnte. Doch es scheint ganz und gar nicht so und auch genau deshalb nicht sein zu dürfen. Pessimismus macht sich breit, um auf seine eigene Art vital nach den eingeschränkten Möglichkeiten, dem bisschen Optimismus im heutigen Unsinn zu forschen, wie ein Ethnologe sich selbst in einer fremden Lineage untersucht, deren Lebenssprache ihm vollkommen entgeht. Er versteht „die anderen“ nicht. Und ist doch Teil davon. Eine Alterität, die nicht zu entschlüsseln ist, die jede Möglichkeit, ihr ein winziges Schlüssellöchlein zu geben, mit einer weiteren Tür und Mauer dahinter, hinter den vielen Türen und Mauern davor, beantwortet.
Sozial ist, was Arbeit schafft, diesen Satz hört man aktuell aus der Politik und man muss sich fragen, ob dieser Satz wahr ist und was er bedeutet, denn er schmerzt. Zuerst die Beobachtung, was Arbeit ist. Dazu muss man sich einfach nur umsehen und die Augen offen halten und dann sieht man es. Arbeit ist Not und Mühsal und Anstrengung. Arbeit ist der vorab verlorene Kampf eines allesfressenden Wohlstands um den eigenen Lebenserhalt, das gute Leben. Arbeit ist die gesegnete Not einer toten Hirngeburt von Politik, die weiter Nichts verspricht, was sie auch leidlich gerne hält. Arbeit ist das gehetzte, neurotisch betonierte Lachen im Gesicht, das meist mit dem prägnanten, pejorativ chlorierten Satz einhergeht: „Was soll man auch anderes tun, man muss sich anpassen.“; oder: „Es hilft ja alles nichts.“ Und dann sieht man die maskierten Larven in einem entmenschlichten und entmenschlichenden Funktionalismus, wohinter irgendwo jeder Leistungsfratze ein Mensch haust, zutiefst verletzt und unbefriedigt in einer Welt sich zu Tode hetzen; sich und die jedem Selbst fremde Andersartigkeit des vermeintlichen Gegenübers, denn niemand versteht im Grunde, warum sich jeder anpassen muss und nichts hilft und das sind nicht die erstaunten und hilflosen Fragen von Kindern, sondern die von Erwachsenen, deren Antwort sie aber längst kennen. Und man sieht das Alles klein und verschreckt mit seinen verkümmerten Flügeln schlagen, gegen Panzergläser anrennen, hinter denen die Macht kauert und Pläne entwirft, die eigene Flugunfähigkeit zu kaschieren, während sie mit wilden Effekten das Gegenteil verkauft. Meist schreien sie. Auf beiden Seiten. Stumm.
Die Wahrheit ist, dass dieser Satz bedingt wahr ist, aber sehr wirklich. Die Prämissen sind merkwürdig katholisch scharf, die Kanten mathematisch logisch und insofern richtig. Arbeit ist sozial und Arbeit muss geschaffen werden und deshalb ist sozial, was Arbeit schafft. Aber Arbeit ist ein Gegenstand der kreatürlichen Wirklichkeit und nicht der kreativen Übervernunft und muss deshalb nicht erst geschaffen werden und vielleicht liegt genau darin das Problem. Wachstum und Fortschritt und Wohlstand passen sich semantisch hervorragend an einen konstruierten Ethos und subtilen moralischen Imperativ von „zu schaffender Arbeit“, der um seiner selbst Willen eine moralische Grundlage sucht. Die Rechtfertigung ist grotesk: Das Schaffen von Arbeit (ist sozial). Man zögert, dann fragen die Finger die Tasten, ob das nicht entfernt nach ideologischer Nötigung klingt.
Für vergangene Philosophen signalisierten diese Begriffe den Ausgang aus der Mühe, der Not und den Anstrengungen, der Lebensumstände des oikos, im Anschluss daran denkt man sie als den Ausgang aus der spätmittelalterlichen arebeit, verwirklicht in der höchsten Staatsform, einer Demokratie, sogar im heute verrückten Sinn des Wortes.
Die Wirklichkeit. Ein suspekt kunstvoller wie künstlicher Antrieb schiebt uns vorwärts, gegenwärtig in zusammen geschusterter Form eines kläglich gescheiterten, ökonomischen Arbeits-Ethos, abgesegnet durch die Politik, die sich wissentlich darin tief psychologisch verstrickt und jetzt den selbst darin versteckten Ausgang nicht mehr findet.
Die Wahrheit. Wachstum und Fortschritt und Wohlstand stellen sich von allein ein, sie entwickeln sich. Wie sie sich entwickeln, ist letztlich kaum bekannt.
Die Wirklichkeit. Wie sie entwickelt werden können, ist Gegenwart. Die Politik sieht ihre Aufgabe darin, der zufälligen bzw. unbekannten Entwicklung kunstvoll auf die Sprünge zu helfen und vertut sich in beinahe Allem. Wozu dieses vertun in beinahe Allem führt, sehen und erleben wir alltäglich, in den vielen allgegenwärtigen Krisen, die mittlerweile derart permanent und furchtsam bedrängend sind, dass allseits nur noch mit hysterisch wirkender Gleichgültigkeit darauf reagiert wird. Das Scheinindividuum flüchtet in archaische Schutz- und Gruppenverhalten. Führt diese Gleichgültigkeit nicht in die Sackgasse des Fatums? Freilich: In einer noch nicht erlebten Weise. Man spürt die pessimistische Formel des Untergangs und einer grauweiß drohenden Revolution, wenn über letztere nicht doch die endgültige Lethargie der fremdbestimmten Selbstaufgabe siegt und die aber Beide gar nicht unbedingt nötig sind. Genauso wenig, wie ein kompletter System-Neustart. Zu allen drei Optionen jedoch zeigt, unter gewissenhafter, politischer Führung, die dreist und manchmal überdreht klingende und häufig drohende Formel von Arbeit, die wir selbst längst überholt haben.
Sie stimmt nicht mehr, bloß ihre logische Rechtfertigung.
In ihrer eigenen Wirklichkeit zeitigt diese künstlich entwickelte Formel und praktische Definition von Arbeit und Sozialem ihr genaues Gegenteil: Arbeitslosigkeit und Sozialabbau; Armut und psychische und physische Krankheit. Sie offenbart die Heuchelei der gängelnden politischen Korrektheit und deren prinzipielle gesellschaftliche Illegalität durch ihre nötigende, ideologische Unwirklichkeit. Arbeit ist dagegen kreatürliche Wirklichkeit und sozial ist, sich frei gewollt gegenseitig bei der Bewältigung von Not und Mühsal und Anstrengungen zu helfen. Insofern sind Solidarität und Altruismus und „Sozial“ Begleiterscheinungen von Arbeit, die nicht erst politisch konstruiert und einseitig wahr bemüht werden müssten.
Der Ethnologe entdeckt in dieser Kultur, doch er versteht es nicht, in deren fremden Sprache einen Satz. Der, übersetzt, muss lauten: „Sozial ist, was Not schafft.“
Das religiöse Dogma einer Leitkultur, die sich selbst verschlingt.
Der Oktober präsentiert sich kalt und feucht und es regnet draußen, vor den Fenstern, wo es in den warmen Wohnhöhlen neben der Tagesschau und den Sportnachrichten und zwischen der kommenden Party scheint, als wären wir problemlos und Karibik.
Die jungen Leute vor der Universität drängen sich in dichten Korsi, rauchen eine Zigarette nach der anderen und suchen den Blick irgendwo im Gegenüber zu verankern, damit etwas wie Sicherheit durch die vermeintliche Gemeinschaft entsteht, ein wenig von dem, der verlorenen Essenz und dem verlorenen Wesen, was sie tief in ihren blutigen Leibern vermissen, seit sie von der Mutter aus dem Leib heraus unsanft getrennt wurden und hinaus, in die brutale und gemeine Kälte gerissen, von der sie bis heute keine Ahnung haben und die sie antreibt.
Dass, was man Welt nennt.
Irene lacht überdreht, während sie den schwulen Bernd anglotzt, sie denkt sie muss lachen und deshalb lacht sie, damit sich der Berndtyp im rosa Hemd fühlt, fühlen darf, wie er sich gegenwärtig meint sexuell-modisch fühlen dürfen zu müssen und er lacht und seine Hauer teilen den fühlbaren Raum so sehr, dass es schmerzt. Sie besuchen gemeinsam die Vorlesung über Kafka und lachen gerade gemein über die Professorin, die sich in ihren, in beider Augen so ausnehmend schlecht benimmt, wie ein kotzender Clown in der Manege und dann beißt sich der schwule Bernd versehentlich auf die Zunge und heult und eine Träne rutscht über seine Wange, hinunter in seinen Krangen, sein Hemd von H&M und gefertigt von Kinderhänden und er weiß nicht, warum Irene immer noch lacht und nicht damit aufhören kann, weil er nicht weiß, wie nah sich weinen und lachen sind.
Es geht weiter mit traurigen Geschichten und Bildern des alltäglichen und gegenständlichen städtischen Jammers, das wir doch nichts weniger als für alle Zeiten erfolgreich aus unserem Bewusstsein verbannen wollen; ich hoffe, ihr seid wie ich wieder da und freue mich auf eure Kommentare.
Ach! es ist soweit! Dies Blog geht auf Warteschiene zur Überholung und was diverse Konkretisierungen in den schriftlichen und biologischen Lebensverhältnissen betreffen.
Ach! und das kann ein bisschen dauern und da der Verfasser und Autor der seiteninternen Seitenstatistik entziehen kann, dass es offensichtlich Dauergäste in dies semiotische Gefilde löckt, möcht er sich genau jenen zulehnen – freilich sind Zufallsgäste ebenso gern miteinbezogen und sollten sich insofern gern und direkt angesprochen fühlen.
Ach! (dieses Gejammere…)
Akklamation:
„So müssen die Ahnungen der Kindheit dahin, um als Wahrheit wieder aufzustehen im Geiste des Mannes. So verblühen die schönen jugendlichen Myrten der Vorwelt, die Dichtungen Homers und seiner Zeiten, die Prophezeiungen und Offenbarungen, aber der Keim, der in ihnen lag, geht als reife Frucht hervor im Herbst.“ – Ja! Im Herbst soll dies Blog wieder auferstehen, die Kindheit aber soll bleiben und sogar noch hervortreten. Sonst wiederholt sich das endlos-archaisch-griechische Machotum noch einmal zweitausend Jahre.
„Doch wird das Vollkommene erst im fernen Land kommen. Im Lande der Heimat, des Wiedersehens und der ewigen Jugend. Jetzt ist es doch nur Dämmerung.“ – Ja! Die Reise geht in die Heimat des Verfassers, Kaliningrad, Königsberg, in die Vorhalle eines Kant und Thomas Mann, auf den Pferdehof und in die sumpfigen Auen des alten östpreußischen Flak-Hilfsschützen und Nazi-Mitläufers aus gebrochenem Herzen und elender Verzweiflung heraus: Otto Bolz.
„Leb wohl, Melitta! Leb wohl!“ – Ja! Weiß der Teufel, wer damit gemeint ist.
Ach! Für die Treuen zwei Gedicht aus der nahen Kindheit, während im Kopf die Hoffmanschen Erzählungen rauschen und den Verfasser ans graublaue Meer locken:
Sacht´ das Leben wär, ich dacht;
Doch nur der Tod ist sacht und still.
Leben singt und Leben lacht,
Ständig und unbändig.
Der Tod kennt das Leben auswendig.
Sachte das Leben wäre, dachte ich, Kind.
Da kam der Tod – leiser als Luft
Und schneller als der Wind.
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Die Ruhe wenn das Meer still steht,
Der Wind zu flüstern aufhört,
Das Herz den Verstand stillt,
Ein Lächeln unter tausend Stößen
Nicht aufhört.
Einen Kometen im Fernglas verloren.
Gefunden habe ich Dich.
Der angeborene Klang des Lebens
Die Sonne in einem Wasserglas
Glänzt und schimmert nur für Dich.
Der Verfasser freut sich auf den neuen Herbst und grüßt die treuen Herzen!
Durch die Wolken fallen Lichter auf mich herab. Der Abend beginnt finster. In der Scheibe der Vitrine im Fenster gegenüber sehe ich überbezahlte Autisten, die sich gegenseitig übers Grün hetzen. Ein Flugzeug steuert schräg heran. Die Frau an der Ecke grüßt mich, ohne aufzusehen. Ich erkenne uns nicht. Der Rest aus dem Hirn verliert sich im wogenden Nelkenduft. Mein Herz wankt zwischen Tempo und Rhythmus. Ein Gedanke überholt mich. An einen Stein gelehnt warte ich darauf, dass es neben mir zusammenstürzt. Ohne mich breche ich täglich mehrmals zusammen.
Ein Blatt rollt über den Kopfstein. Kinder, die nicht lachen mögen, beißen. Eine Zeitung ohne Nachricht im schief hängenden Papierkorb lungert. Wortlose Dingwelt. Der Krieg hat sich in die kleinsten Poren verkrochen und schießt jetzt mit Unmenschlichkeit. Damit wir es nicht kommen sehen. Unmenschlichkeit ist so was Menschliches. Ein Panzer biegt um die Ecke und fährt sich auf den Spielplatz. Eine Menge läuft davor zusammen. Eis wird verkauft, der Verkäufer kommt zu jedem zweimal. Zwischen der Menge Körper suche ich mit meinen Blicken Wärme und will Frauen riechen. Ein kräftiger Wind zerrt am Kanonenrohr. Ein Projektil kriecht träg heraus und fällt in den Sandkasten hinunter. Es öffnet sich. Eine Melodie erklingt, es ist die Hymne der Gläubigen. Die Kinder mögen jetzt lachen und spielen im Sand. Die Erwachsenen singen und halten sich das Herz fest. Es öffnet sich oben an dem Panzer die Luke. Die Menge jauchzt und jubelt, als sie die nationale Flagge sieht. Ein Soldat kommt heraus. Kein Krieg! Kein Krieg! Ruf er, die Menge freut sich. Über die Lautsprecher hört man aus dem Fahrzeuginneren den Verteidigungsminister flüstern. Die Presse reagiert sofort und ohne mitzudenken. Zeitungen erschlagen sich gegenseitig. Nichts und Keiner stimmt. An einen Stein gelehnt warte ich darauf, dass die neu-preußischen Häuser in meinem Kopf endlich versinken. Dass das Glas aus den Scheiben springt und lacht und ich, auf der Wolke, fang die Sterne wieder auf und setzt sie, wo sie fehlen, ein.
Die Frau hat gewendet und trifft mich an derselben Ecke wieder. Ich bin erst zwei Augenblicke weiter. Sie grüßt mich, ohne aufzusehen. Den neuen Augenblick ist es mir peinlich, dann ist es vorbei. Ihr Gesicht, beinahe hätte ich es verloren. Sie fasst uns unter, sie zieht mich von der Wand weg, die Wand hält. Ich halte mich aus und sie mich. Der Soldat steigt in die Kiste, die Menge schweigt beeindruckt. Es gibt viel Ruß und Rauch und es dröhnt, als der Panzer startet. Die Menge folgt dem Panzer auf dem Fuß. Ich gehe mit der Frau allein nach Haus. Sie hat einen Stern im Küchenregal liegen, den sie mir unbedingt zeigen muss. Der Panzer fällt später in die Spree, weil ihn die Brücke darüber nicht trägt. Die sich in Fische verwandelt haben, brechen mit hinein. Die Fische tauchen zufrieden durch die militärische Langeweile.
Ich höre und kann laufen. Ihr Haar schmeckt nach frischem Heu und Zimt.
Ein Augenblick des Glücks, wo es nur so wenig davon gibt.
Davon schreibt man nicht, es lässt sich nämlich nicht verkaufen.
Im Gedenken an Erich Mühsam und andere Opfer des Naziterrors findet im Gedächtnispark Lehrter Zellengefängnis, gegenüber dem Berliner Hauptbahnhof, von 19 Uhr am 9.7. bis 7 Uhr am 10.7. eine 12stündige literarisch-musikalische NACHTWACHE statt. Der in der Mitte des Parkes stehende, offene Betonwürfel dient als Vortragsplattform.
Der Dichter, Kabarettist der ersten Stunde, politische Publizist und Journalist Erich Mühsam wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg von SS-Schergen der „Leibstandarte Adolf Hitler“ umgebracht.
Ich blieb still und weinte. Doch durfte mich dabei niemand sehen. Mein Fahrtgeld vergrub ich in der ersten Nacht außerhalb des Dorfes, an einer Stelle, wo ich sicher war, dass es nicht gefunden wurde. Ich half den Rebellen oder den Staatstruppen, egal welcher Seite, um zu überleben, das war anders nicht möglich. Am schlimmsten war, dass ich darüber beinahe meine Familie und meine Schwester vergessen hätte. Als ich bemerkte, wie die grausamste Unmenschlichkeit mir meine Wahrnehmung nahm, die Sehnsucht auf Hoffnung, die nicht von Tieren zerfleischt werden kann, Hoffnung! – überkam mich große Scham. Später, auch hier in Berlin, habe ich diese Scham noch häufig kennen gelernt, bis ich begriffen habe, dass ich mich schämte, weil ich Dinge glaubte, die nicht wahr waren, und andere nicht sehen wollte, die viel Schlimmer waren – und wahr. Doch von dieser Scham befreite ich mich bald und von der Reue, die nur dazu dient, Angst zu machen. Sorgen und Furcht, so wird die Welt regiert. Nicht meine Welt. Ich habe aufgehört, an Dinge zu glauben, wie sie nur ein Kind glauben kann und doch bin ich Kind geblieben. Verstehen Sie? Es ist nicht schwer, lässt man falsche Befürchtungen und Sorgen fort. Fort damit. Es gibt keine endgültige Wahrheit, deshalb bleibe ich ein Mensch ohne Eigenschaften, ein Baum ohne Form, entwurzelt: Das trübe Aquarell eines Schattens im Nebel.
Nach drei Monaten kam der Bus. Wie ich bis dahin überlebt habe, ist mir nicht klar. Ich kann darüber nachdenken wie ich will. Ich erinnere mich. Ich sehe jeden einzelnen Tag vor mir, aber ich kann nicht sagen, was ich dabei gefühlt habe und wie ich gelebt habe. Ich weiß es nicht mehr und doch: Ich weiß alles.
Ich warf mich eilends aufs Dach, der Bus war heillos überfüllt. Als wir Kutum hinter uns ließen, blickte ich noch einmal zurück und glaubte, Dike zu sehen, meine Schwester. Eine Krähe saß auf ihrer Schulter und hackte ihr das linke Auge aus, während in Sturzbächen Blut aus unzähligen Schusswunden in den Staub floss.
Sie winkte.
In Ad-Dabbah angekommen, empfingen uns bereits Schleuser, die versprachen, uns nach Sidi Barani bringen zu wollen, von wo aus wir in die EU geschifft würden. Die Schleuser überboten sich mit günstigen Fahrtangeboten und so blieb auch dem letzten keine Wahl mehr zur Umkehr. Doch wer wollte das, nachdem er es soweit gebracht hatte, noch darauf ankommen lassen? Im Vergleich zur Zeit in Kutum, war die kommende Zeit ein Kinderspiel. In Ad-Dabbah arbeitete ich einige Zeit, wir wollten erst im Herbst aufbrechen, als Schuhputzer, als Handwerker – was sich gerade anbot, häufig genug schlief ich noch in kleinen Gassen, im Dreck von denen, die es, in meinen Augen, bereits geschafft hatten – jedoch nicht weit genug. Die Arbeit ließ mich rasch wieder klar denken, oder lenkte mich ab, jedenfalls kam ich gut zurecht und konnte sogar über das hinaus, was mir zum Fahrtgeld fehlte, ein wenig Geld zusammensparen. Hoffnung, ein Baum aus dem fruchtlosen Sand der Wüste, sprießt, wo eigentlich nichts wächst und wachsen kann und darf; ein Lied, das ich erst wie ein Tauber und Blinder tastend aus der Muttererde wachsen fühlte; erste Töne, zarte Triebe, getrieben von Willen und Glauben an eine Zukunft, die ich mir, nach allem, was bislang hinter mir lag, verdient glaubte. Von der Nachtsonne beschienen, ein Baum, tausendfach grünfarbene Blätter, Funkeln im Schimmer des Mondlichts, ferne Sterne, ferne Welten, von denen ich nichts ahne und doch: Rufe, Lockungen, der Erstgeborene, der Schwarze aus dem wüsten Land, Heimkehr, Heimkehr! Es gibt in unserem Dorf ein Sprichwort: Die Schlange lauert auf das Ei, womit sie sich, gleich wenn es gelegt ist, den langen Magen füllt und das Ei, durch die Muskeln zerdrückt, zerquetscht, verdaut – restlos ausscheidet.
Die Überfahrt von Sidi Barani nach Italien dauerte kaum drei Tage, das Meer lag ruhig, kaum ein Wind verkürzte uns die Leiden, die wir auf Deck lagernd von der Sonne ausgetrocknet wurden. Der Kahn war alt und rostig, angetrieben von einem alten Dieselmotor, der bereits in der ersten Nacht den Geist aufgab. Daraufhin gab es Streit, denn die meisten der Mitfahrenden bekamen es mit der Angst zu tun. Niemand mehr wollte umkehren, wir waren zu weit gekommen. Die Schleuser beruhigten die Menge mit ihren Pistolen und versicherten, der Motor würde in Kürze seinen Dienst wieder aufnehmen. Zu unserem Glück kam es so. Kurz vor Brindisi kam ein großer und gewaltiger Sturm auf, der meine Gedanken und Hoffnungen zu strafen schien, wenigstens glaubte ich fest daran, und warf mich an die Reling, dem Sturm zum Trotz und flehte, dass mich, im Andenken an Dike, ihre Liebe dies alles überstehen ließe. Im größten Unwetter legten wir an. Da war ich.
"Abd al-Rahman, 13. Bild: Tötet die Sklaven, tötet die Schwarzen!"
Wir wurden in LKW´s verladen, die uns in den Norden bringen sollten. Ich fror elendig, war nass bis auf die Knochen, hatte seit zwei Tagen nichts mehr zu essen gehabt und war froh, endlich unter der Plane des Fahrzeugs in Sicherheit zu kommen, wo ich sofort einschlief. Auf der Fahrt nach Norden gab es zwei Zwischenfälle, an die ich mich nicht gerne erinnere. Erst nach einem weiteren Tag gab es etwas zu essen, pappiges, süßes Zeugs, dass in Plastikpapier verpackt war und von dem wir angeblich schnell satt werden sollten. Der Schleuser lachte, als er uns die Schokoladenriegel unter die Plane warf. „Seid froh“, rief er laut, „überhaupt etwas zu essen zu bekommen.“
Niemand war froh darüber.
Eine Frau und ein Mann waren krank geworden und husteten und spuckten schlimm, bis es den Schleusern irgendwann zu viel wurde, außerdem gab es Beschwerden von Leuten, die Angst hatten, sie würden sich anstecken. Ich gebe zu, dass ich auch dazu gehört habe. Ich dachte, die Beschwerden würden helfen, die Schleuser wurden sich darum kümmern, dass Medizin beschafft würde, schließlich waren wir in der neuen Welt angekommen. Kurz vor Loreto hielt der LKW in der Nacht an. Die Beiden wurden von der Ladefläche geholt, wogegen sie sich heftig wehrten, doch sie waren zu schwach und wir wagten nicht, ihnen zu helfen. Wie getriebene Tiere versteckten wir uns im hinteren Teil des LKW, drückten uns zusammen und gegeneinander, dass uns die Luft auszugehen schien, bis schließlich, ich weiß es noch genau, fünf Schüsse fielen. Die Plane wurde zugezogen, der Motor gestartet, wir fuhren weiter.
Die Angst war nur eine winzige, aber doch beachtliche Wolke, die über einem weiten Feld lag und ich dachte, die Angst wäre alles, ein weites Feld gäbe es nicht. Ich lernte, der Angst auszuweichen. Aber der Angst auszuweichen ist sinnlos, denn trotzdem harrt sie über dem Ort, der Oase, wie der Nebel, nein! Der Nebel über der Oase ist die Angst!
Ich wischte sie fort.
Jetzt bin ich wirklich frei und weiß, es gibt keine endgültige Wahrheit.
Es ist schwer, sich eine Welt aufzubauen, wenn man weiß, es gibt keine Wahrheit. Viele versuchen, mir einen Teil ihrer Wahrheit in meine Welt zu rücken. Doch ich will diese Wahrheiten nicht. Ich baue mir meine Welt und meine Wahrheit selbst. Und mein Haus ist wie ich. Es lebt und wächst mit jedem Tag – es verändert sich. Ich bin kein Tier.
Den Tag in Eis und Wind verbracht, müde auf dem Rad durch die Straßen getreten, denke an die Niederkunft der Blödheit und als ich die Augen wieder öffne, bin ich Zuhaus. Ich puhle den Schlüssel aus der Tasche, der klimpert frech, als wollte er sich absichtlich nicht finden lassen, dann habe ich ihn.
Drinnen.
Ich schließe die Tür, lege den Mantel ab, die Jacke, drehe mich herum, erinnere mich daran, dass ich noch einen Schal um habe, den lege ich auch ab. Wenn ich an die Welt draußen denke, fühle ich mich, als würde der Winter nicht aufhören, an ein Museum im Eis. Wir sprechen davon, als würden wir die Welt kennen, als würden wir uns kennen, erkennen, sehen, sprechen, küssen, lieben, leben, miteinander auf einer Reise Leben erleben, eine Reise, die uns an ein zukünftiges, ein historisches Ziel führt, doch wenn ich an das Ziel denke, bin ich wieder im Museum, im Eis, der Lobby, sehe die Möglichkeiten, die Gänge, die vermeintliche Auswahl die ich habe – kann hierhin, kann dorthin, nur darf ich nichts anfassen.
Darf nicht fragen, nur sehen, hören, kaufen – Kataloge, worin steht, wie es um die Auswahl steht, die Welt, unser Geschick, in dem Gang etwa: Menschlichkeit. Ich setze mich ins Cafe, bestelle mir einen Milchkaffe, ein Stück Kuchen, die Menschen um mich herum sitzen erstarrt, Schaufensterpuppen mit Gabeln oder Tassen in den Händen, die Unterhaltung quillt aus den Boxen, nur Schönes, nur Gutes, keine Erinnerungen, kein Denken, verbotene Gefühle.
Ein Mann mir gegenüber erzählt seiner Partnerin von einer Yacht, einem Haus, einem Aktiendepot, der Kuchen fault schon auf der Gabel und ist Staub, noch bevor er ihn herunterschlucken kann. Der Mann lächelt. Er zwickt sich ein weiteres Stück vom Kuchen ab, diesmal schafft er es, bringt er es in den Mund, in den Augen, auf das Dekoltee seiner Partnerin schielend, steht lächeln der Triumph. Seine Partnerin gefällt sich in ihrem Kleidchen, dem Schmuck, der Maske, der Fassade, plant den nächsten Urlaub, die Reise ins Nirgendwo, die Wärme, das Meer, wo die kleinen Negerkinder um sie herum tanzen, warum, versteht sie auch nicht, aber gerne wirft sie ein paar Brocken hin, bevor sie in die Limousine steigen und in den Club fahren, wo Freunde warten, von denen sie nichts weiß.
Die Kellnerin kassiert, ihr Lächeln gefroren, passend zum Ambiente, ich verlasse das Museum, gehe ins Eis, der Wind, in meiner Manteltasche den Rest des Kuchens, ich war rasch satt gewesen. Der Kaffee kribbelt, meine Nerven springen im Kreis, ich fühle mich für einen Moment, als könnte ich fliegen, ich springe, von einem Bein auf das andere, springe, aber komme nicht vom Fleck.
Mein Rad ist zugeschneit, ich schlage den Kragen hoch, ziehe mir den Hut ins Gesicht, klopfe den Schnee herunter, schwinge mich in den Sattel und fahre los, vorsichtig, damit ich nicht falle.
Den Tag in Eis und Wind verbracht, im Museum, müde aber satt auf dem Rad durch die Straßen getreten, denke an die Niederkunft der Blödheit und als ich die Augen öffne, bin ich Zuhaus. Drinnen. Ich schließe die Tür, lege den Mantel ab, die Jacke, drehe mich herum, erinnere mich daran, dass ich noch einen Schal um habe, den lege ich auch ab.
Wenn ich an die Welt draußen denke, fühle ich mich, als würde der Winter nicht aufhören, an ein Museum im Eis. Und wir Kinder spielen an den Keksdosen und suchen die Mutter, damit sie uns Milch aufsetzt, uns auf den Schoß nimmt und uns Geschichten erzählt.
Demeter wirkt verzückt und lüstern. „Athen braucht den Tango. Den Tango! Der Mann führt, hat Schuld an Allem. Hades führt. Hades?“
Hades bewegt sich abwesend im Raum, hört nur halb hin, bewundert das Kostüm Demeters, einen Hosenanzug, ein Jackett ähnlich einem Kött, ein schönes Blau, ein tiefes Blau, beinahe lichtlos.
„Bitte?“
„Der Mann führt. Bist du ein Mann, Hades? Bist du?“
„Ich weiß nicht, worauf du hinaus willst. Ist es nicht genug? Endlich genug? Tempelhof. Alexa. Der Zentralrat. Stadtumbau. Investitionen. Mietskasernen, leere Räume für leere Hoffnungen. Steinerne Monumente. Höhlen. Überlebenskampf. Politik? Erinnerungskultur im Schongang bei 40 Grad mit Weichspüler, blau, für Jungen, daneben der geschminkte Türke in der Dönerbude. Ach, könnten wir nicht ganz Athen in einen Trabanten verwandeln? Ganz Athen? Wir verbannen die Arbeit. Wir leben Dienstleistung. Verbannen die Bürger aufs Land und lassen nur Touristen übrig, damit die draußen was zu erzählen haben, außerhalb. Auf Postkarten. T-Shirts. Schuhen. Erinnerungskultur auf Plastikschildern, Namen ohne Worte, Gedenken ohne Gedanken, einkaufen, Leuchtreklame. Ausgang an Ausgang. Wir verbieten demokratische Sehnsüchte und gehen den Gang durch das steinerne Berlin, bis hin, hin zum Stadtschloss. Dort darf man uns aufwarten, dort warten wir auf das Kommende, das Drohende. Natürlich weiß ich, ich muss führen. Worauf willst du hinaus? Demokratie?“
„Du bist kein Mann, Hades. Bist keiner. Aber das ist auch nicht wichtig. Wie Politik gemacht wird, entscheiden wir Frauen. Lass dir das gesagt sein! Sieh her!“
Demeter winkt Hades heran, sie sehen hinunter, ein Blitz zuckt mahnend durch den Regen, der Wind trägt die Menschen hierhin, dorthin, es scheint, als könnten sie alleine laufen. Es trügt.
„Ich kann es riechen. Die Täuschung. Kannst du das auch? Die Menschen dort unten, zwischen den Steinen, dem Gestank und Abfall – dem Glas und dem Stahl. Das ist unser Blut und Vermächtnis. Die Zukunft. Ich sehe, wie sie sich aneinander verlieren. Sie nennen es Freundschaft. Liebe. Dass ich nicht lache! Davon wissen wir nichts. Liebe! Liebe!“
Demeter lacht, Hades lacht.
„Da, wo ich herkomme, ist alles was zählt, dass eine Frau ihren Mann steht. Verstehst du? Ihren Mann! Lächerlich. Aber ich habe es geschafft. Das habe ich. Ich habe gelernt, von Poseidon gelernt, dem Landumfluter, dem allgütigen, dem Feuerschlucker! Dann bin ich eingebrochen. Bei Nacht. Habe mich hinaus geschlichen, bis in den Wald hinein, dort, wo am Tag die Jungen spielten, am See. Der war zugefroren. Die Sterne lagen auf dem Eis, dass ich nicht wusste, was schöner ist. Der Mond über mir, oder das Eis und wie es von Sternen funkelt. Mondlicht. Ich habe mich aufgemacht, es zu fangen. Dann bin ich eingebrochen. Nur am Rand, zum Glück, nur bis zur Hüfte. Es war kalt, furchtbar kalt, ich dachte schon, ich sterbe, so kalt war es. Ich eilte zurück, rannte Nachhaus, dachte, wenn ich renne, dann muss ich nicht sterben, dachte, wenn ich renne, bleibe ich warm und am Leben. Als ich ankam, stand meine Mutter in der Tür. Sie hatte gewartet. Verstehst du? Die ganze Zeit. Sie wusste es, sie hat es gerochen. Meine Beine waren blau, sie ließ mir Wasser ein, doch meine Beine blieben blau und kalt, ich dachte, bis zum Herzen. Sie kochte mich, kochte meine Beine. Wir hatten einen großen Topf, worin wir im Herbst die Erdbeeren kochten, die Johannisbeeren, Heidelbeeren, alles, was der Garten hergab. Wir kochten darin Marmelade. Es war ein großer Topf, ein sehr großer Topf. Darin brachte sie Wasser zum kochen, ich saß in der Wanne. Sie kam, das Wasser im Topf dampfte. Wenn es dampft, ist es heiß, vielleicht hundert Grad und mehr. Ich war ein Kind Sie goss es in die Wanne, mich zu sieden. Meine Beine tauten auf. Langsam tauten sie auf, ich verbrannte. Siehst du die Menschen? Ihnen ist kalt, sie erfrieren. Es könnte Sommer sein…“ Demeter muss lachen, Hades stimmt ein, es klingt müde, wild, roh. „Es könnte Sommer sein!“
Nun ist es soweit, der Roman begibt sich in die Endphase und hat seinen Arbeitstitel weit von sich geworfen.
Der Titel des kommenden Berlin-Romans wird sein „Polis“ – das Thema: die griechischen Götter, Helden und Sagengestalten leben unter uns! Hier ein weiteres Appetithäppchen. Bis bald!
Demeter bürstet ihr Haar und findet sich einmal mehr hässlicher als zehn Sack Weizen. Dareios findet kaum tröstende Worte und im Grunde will er Demeter, seine Frau, auch nicht trösten. Dareios ist beleidigt. All die Jahrzehnte war er Demeter gefolgt, hatte sie unterstützt, getragen und geschwitzt, hatte sogar seiner Habilitation entsagt, nur damit Demi auf der Agora Basileus spielen kann, die Königin. Jetzt sieht Dareios Demeter häufiger im Fernsehen, als unter der heimischen Dusche, wobei dieser spezielle Reiz über die Jahrzehnte freilich Schimmel angesetzt hat. Doch Dareios liebt seine Demi irgendwo in seinem schmalen Herzen, aber die Demi will Agora-Queen sein. Und sie hat es geschafft.
Gerade fällt die Tür ins Schloss und reißt Dareios aus seinen trübsinnigen Gedanken. Wieder einmal hat sie vergessen, sich zu verabschieden. Am Fenster stehend, sieht er unten Demeter umständlich in die Limousine klettern, heute gibt es Staatsbesuch aus Makedonien und ein Interview, Demeter ist völlig vorausgelastet. Dareios macht sich an den Abwasch. „Scheints, als wäre immer wenigstens einer die Frau“, raunzt er müde in die Küche.
Demeter im Interview: „Liebe Frau Demeter! Wenn ich darf, würde ich gleich mit der ersten Frage beginnen.“
„Gernt.“
„Wie?“
„Los!“
„Frau Demeter, was waren in ihrer Kindheit die schönsten Erlebnisse?“
„Na, ich gehöre zu der Filiation, die das Ende des Sozialismus in der DDR und anschließend die deutsche Einheit mit ihren unglaubwürdigen Umwälzungen erleben musste. Äh, durfte, sollen. Habe! Es gibt das Gute! Das war mir belegt damit. Und jetzt diese Krise! Es gibt das Schlimme.“
„Schlimm also! Was tun?“
„Ja, was tun! Wir müssen in einem großen und vor allem national-protektionistischem Kraftakt einer weltweiten Rezession entgegnen und die Folgen für unsere Partei und unsere Geldbäutel eindemmen. Diesem Krampfakt gehe ich mit aller Nachfolge ein. Durch. Um.“
„Glauben Sie, sie können das? Im Ernst, meine ich?“
„Natürlich nicht. Wir werden uns zurückziehen, und warten ab, dass die akute Notlage das Folg in seinem Bestand soweit dezimiert hat, dass wirs nit mehr brauchen, oder wenn doch, dann nicht.“
„Soso!“
„Jaja!“
„Diese Woche sind die Athener ja Banker geworden…“
„Ich alleine!“
„Gut, sie also. Und zwar bei der Cometzbank und auch bei der Tröstnerbank. Kann es die Polis besser als rücksichtslos-sozialdarwinistische Banker?“
„Ich schon.“
„Wie stehen Sie zum Vorschlag eines 100 Milliarden schweren Deutschlandfondues zur Rettung ausländischer Unternehmen im Inland?“
„Ich werde mit meinem Paket Interventionen in Bildung und Infrastruktur beschließen, vergessere die Regelung zum Kurzarbeitergeld, um Entlassungswellen vorerst abzuschwächen, und wir schaffen einen Font, um an sich gesunden Unternehmen mit Steuergeldern zu helfen. Das ist eine Brücke, wie es mein Lieblingsphilosoph, Pierre Pascal, einmal ausgedrückt zu haben pflägte, in die Zeit, in der es wiederr aufwärts geht! Aufwärts! Vorwärts! In eine Zeit, wo Firmen und Banken wieder normal im Geldregen duschen, wo der zutiefst demokratische Kapitalismus funktioniert ohne den Staat und ich schon lange Königin bin! Dafür im Übrigens sind die 100 Mille Frischgeld nötig, wobei es sich vor allem um die Einnahmen der Ausgaben der Armen handelt. Und deren Erspartes.“
„Frau Demeter, ihr Ausschnitt ist heute wieder köstlich!“
„Ist das eine Fangfrage, oder soll ich jetzt rot werden?“
„Ganz wie sie wollen, doch bevor es an dieser Stelle weitergeht, verliebte Zuhörer, kurz Werbung vom Olymp! Bis gleich!“