Filomena verliebt sich in Gispodio, doch wagt sie es aus Ängstlichkeit nicht, ihm ihre Liebe zu offenbaren. Als sich Gispodio Filomena nähert, flieht Filomena und sinnt in Folge auf Rache. Mathilda, die Dienerin der Filomena, verliebt sich in Gispodio und er sich in sie, die beiden heiraten. Filomena versteinert aus unerfüllter Rachsucht und stirbt alt, nach vielen Jahren in Einsamkeit.
In Verona lebte ein junger, stattlicher Mann, dem die Natur zwar den Adel kraftvoller Schönheit, doch einen niederen Stand und wenig Reichtum geschenkt hatte, wovon der Mann, er hieß Gispodio, sich aber keinen Begriff machte oder nicht machen wollte – jedenfalls war er´s zufrieden und lebte davon, was ihm seine Arbeit einbrachte, er war Weber, gut und gern.
Wie nun Gispodio häufig vor seinem Hause saß und bei seiner Arbeit die gute Luft genoss, kam, wegen Einkäufen oder allein aus Lust am Spaziergang, ein junges Ding entlang, Filomena Certa, die schöne, aber eingebildete Tochter des Stadtwächters Phillipe Certa, der sich seit Jahren schon besorgte, einen geeigneten Schwiegersohn für seine Tochter zu finden. Davon wollte die Filomena jedoch nichts wissen, sie hatte, wie sie sagte, reichlich von den Dingen der Liebe gehört und dass es doch immer nur auf das eine hinauslaufe und von dem einen, hätte sie, ohne jemals davon gekostet, jetzt schon genug. Die Dienerin der Filomena aber, ein junges, hübsches Ding, genannt Mathilda, und in Liebesdingen ganz und gar nichts weniger als unkeusch zu nennen, wusste zu erzählen, dass Filomena einmal vollkommen vor Liebe entbrannt war für den Sohn des Grafen von Verona, den Mario degli Alberighi, der sie, als sie ihm seine Liebe offenbarte, nicht nur verlacht, sondern gleichwohl auch ins Gesicht geschlagen haben soll, woraufhin Filomena, wie man sich leicht vorstellen kann, gekränkt nichts mehr von den Männern wissen wollte, weil sie diese fortan alle über einen Kamm zog.
Diese Filomena kam nun also bei Gispodio vorbei und sah, wie er ein Stück Stoff bearbeitete und war ganz angetan von seiner Fertigkeit und auch kam sie nicht umhin, heimlich seine körperlichen Vorzüge zu bewundern, und noch ehe sie sich überhaupt besinnen konnte, entflammte sich die verhängnisvollste aller Leidenschaften, ihrer Meinung nach, die Liebe, in ihrem Herzen und wollte sie folglich nichts mehr, als sich gleich in die Arme des Webers zu stürzen.
Nun, wieder Zuhause, überlegte Filomena gemeinsam mit ihrer Dienerin, wie sie es einrichten wollte, den Gispodio in ihre Arme zu bringen. Gleichwohl sollte das Ganze sehr vorsichtig vonstatten gehen, denn die vergangene, schlechte Erfahrung mit dem Sohn des Grafen, stach ihr nach wie vor derart heftig ins Herz und durchwühlte ihr Blut, dass, gleich, wie sehr sie den Gispodio jetzt schon liebte, sie ihn noch mehr hasste und wie sehr sie ihn küssen wollte, wollte sie ihm gleichzeitig die schlimmsten, denkbaren Schmerzen zufügen. Das Beste erschien Filomena daher, wie auch der Mathilda, den Gispodio einem Test zu unterziehen. Dazu sollte sich die Mathilda an den Gispodio heranmachen und herausfinden, wozu er denn – im Guten wie im Schlechten – in der Lage wäre und dann wieder kommen und berichten.
Mathilda nahm diese Aufgabe sehr ernst, aber auch sehr gerne auf sich, da sie auf den Weber schon seit längerem ein Auge geworfen hatte. Gleich am nächsten Tage machte sie sich also hin zum Hause des Gispodio, der, seiner Gewohnheit folgend, vor dem Hause sitzend Wolle kratzte, oder Stoffe pflegte. Mathilda, unter dem Vorwand, im Auftrag einer Kundin zu handeln, was so nicht unbedingt gelogen war, führte Gispodio ins Haus und begann nun, ihrem Auftrag gemäß, den Gispodio auszuhorchen und zu befragen und zwar derart leidenschaftlich und wild und wiederholt, dass ihr hinterher die Schenkel schmerzten. Daraufhin verabschiedete sie sich und eilte nach Hause zu ihrer Herrin und erzählte ihr aus ihrer Sicht genau und bis ins Kleinste, dass der Gispodio nichts Ungesundes und Rohes oder gar Gewalttätiges an sich hätte, im Gegenteil, dass ihm viel menschliches Verständnis eignete und ein tiefer Sinn dafür, was den Frauen wohl gefalle. Die Filomena, die natürlich nicht ahnte, was die Mathilda genau damit meinte, die ihren Auftrag aber in ihrem Sinne erfüllt sah, dachte nun, dass sie es wagen wollte, sich dem Gispodio zu nähern. Sie war auch nicht faul gewesen und hatte den Tag über Erkundigungen über Gispodio eingezogen und jeder Mann und jede Frau wusste nichts anderes, Gispodio als arbeitsamen, zuvorkommendem, bescheidenen und höflichem Manne zu schildern.
Wiederum am folgenden Tage, machte sich die Filomena auf, den Gispodio zu besuchen, unter dem Vorwand, dass er ein Kleidungsstück für sie anfertigen sollte. Wie sie die geschäftlichen Dinge mit ihm am Besprechen war, sprudelte aus ihren Augen pure Leidenschaft, als wäre es Lava aus einem Vulkan und am liebsten wäre sie ihm gleich um den Hals gefallen und hätte den Gispodio von oben bis unten mit Küssen eingedeckt, doch ihr Gewissen hieß ihre Taten lügen und sie behielt sich unter Kontrolle. Dem Gispodio war unterdessen die jungendliche Schönheit der Filomena gleich wenig entgangen und in seinem Herzen kämpfen sich die Flammen der Liebe höher und höher, so dass er, gerade als die Filomena sich, kaum beherrscht, abwenden und nachhause gehen wollte, denn sie konnte den Mut nicht finden, dem Gispodio ihr Herz zu eröffnen, am Arm ergriff und ihr seine Liebe offenbarte. Und wie es bei den einfachen Leuten Sitte, gab er ihr mit seinem Geständnis gleich einen Kuss mit auf den Mund, wovon die Filomena aber furchtbar erschrak und den Gispodio ausschalt und ein Geschrei machte, dass gleich die Nachbarn hinzuliefen, nachzusehen, was geschehen war.
Vor den Leuten redete die Filomena den Gispodio aus Scham schlecht und erzählte, dass er sich an ihr vergehen hatte wollen, was so ja nicht stimmte. Der Gispodio hingegen blieb ruhig und vermutete richtig, dass die Filomena sich vor ihm nur ängstigte und ließ den Schimpf und den Spott der Leute über sich ergehen und als die Filomena endlich verschwunden war, kehrte auch bald wieder Ruhe ein, die Wachen, als man sie hatte rufen wollen, ließ Filomena aus schlechtem Gewissen sein, wo sie waren, auch fürchtete sie sich vor dem Unmut des Vaters.
Mathilda, die sich nun inzwischen gar nicht anders besinnen konnte, fühlte sich mit jedem Tag dem Gispodio näher und noch viel zu fern, ja, sie war vollkommen in Liebe entbrannt und wünschte sich nichts sehnlicher, als sich dem Manne hinzugeben, wie auch immer der es wollte, wo er ihr vormals und vollkommen selbstlos soviel liebliche Freude und Genüsse beschert hatte. Heimlich machte sie sich eines Nachts auf, schlicht in das Haus des Gispodio, legte sich neben ihn ins Bett und weckte ihn unter zärtlichsten und süßesten Küssen, gestand ihm ihre Liebe, woraufhin Gispodio, der den Schmerz über die unerfüllte Liebe zu Filomena bereits aus seinem Herzen verbannt hatte, sich gleich eifrig in Mathilda verliebte. Die ganze Nacht bekamen die Beiden kein Auge zu, bekannten sich zueinander und taten, was Liebende einmal zu tun geneigt sind, bis tief in den Morgen hinein, als sie endlich Schlaf fanden, einer in des anderen Arm liegend, herzlich verschlungen. Filomena bemerkte am folgenden Morgen das Fehlen ihrer Dienerin und konnte sich auch sonst keinen Reim darauf machen, wo Mathilda denn abgeblieben wäre. Am Mittag eilte Mathilda zurück, erklärte Filomena in knappen Worten, was geschehen war und ergänzte, dass sie und der Gispodio noch am Freitag heiraten wollten, das Fest sei schon bestellt. Dann machte sie sich daran, ihre Sachen zu packen.

Filomena, die nicht glauben wollte, dass es dem Gispodio einfach so gelungen sein sollte, sie aus seinem Herzen zu verbannen, die selbst noch immer unter heftigstem Liebesfieber für Gispodio brannte, sann auf schmerzvolle Rache, trat leis´ aus der Kammer der Mathilda und schloss die Tür von außen ab. Dann beeilte sie sich, zum Hause des Gispodio zu kommen, der sich gerade wusch und deshalb mit entblößtem Oberkörper in seiner Wohnung stand und erzählte ihm, dass Mathilda allein auf ihren Wunsch hin bei ihm eingezogen wäre, damit sie über die Dienerin erführe, was für ein Mann Gispodio sei. Sie versuchte, Gispodio von der Unaufrichtigkeit der Mathilda zu überzeugen, aber Gispodio kam rasch dahinter, dass es allein die beleidigte Eitelkeit der Filomena und ihre Liebe zu ihm war, die sie zu derlei rachsüchtigen Reden veranlasste. Nach wenigen Minuten trat nun Mathilda durch die Tür herein, die sich rasch befreien konnte und es begann unter den Frauen ein heftiges Geschrei und Gezeter, worüber sie sogar handgreiflich wurden und die Nachbarn liefen herbei und lachten und wäre nicht die Stadtwache dazwischen gegangen, so einfach wären die Frauen nicht zu trennen gewesen.
Darüber kam dem Vater der Filomena, der selbst Stadtwächter war, die Geschichte zu Ohren und er schalt seine Tochter aus, und meinte, dass er nicht verstehen könnte, wie sie, zugegeben die schlechte Erfahrung mit dem Sohne des Grafen, derart mit Gispodio hatte verfahren können. Er raufte sich die Haare und meinte, eine Strafe wäre eine solche Tochter, für die sich mit Sicherheit nicht leicht ein angemessener Mann finden ließe. Außerdem entschuldigte er sich höflich bei Gispodio und gab, für angemessene Dienste, der Mathilda ein wenig der Aussteuer, die sonst für Filomena gedacht gewesen war, worüber diese furchtbar böse wurde.
Am folgenden Freitag fand dann die Hochzeit statt und es war ein schönes Fest und ein schönes Paar, dessen Liebe und Zärtlichkeit die Feierlichkeiten noch lange Zeit hin überstrahlte. Die Filomena jedoch, die auf ihre Art nicht zufrieden werden konnte, wohnte über den Tod ihres Vaters hinaus, der bald, manche meinten, aus Gram über seine Tochter, ins Grab ging, weiter in dessen Haus, dass sie aber immer seltener verließ. Ihre Liebe zu Gispodio hatte sich in einen Stein verwandelt, der ihr Herz und ihre Sinne beschwerte und sie durch und durch gemein und böse werden lies. Man weiß nichts weiter zu berichten, als dass Filomena als alte Jungfer und einsam viele Jahre später starb.